45 Forschung

EMF Forschungen

(Dieser Text stammt sehr weitgehend von Dr.Holger Belke).

Da die meisten Untersuchungen zur Wirkung der EMF ("Elektrosmog") auf den Menschen sehr widersprüchlich waren, machten sich Zellbiologen und Genforscher auf die Suche nach den molekularen Mechanismen des "Bioelektromagnetismus". Sie setzten Versuchstiere, Gewebe oder Zellkulturen exakt dosierten Feldern aus und analysierten, wie sich diese auf den Stoffwechsel oder die Krebsbildung auswirkten. Ihre Ergebnisse lassen erahnen, wie vielfältig der Organismus auf die allgegenwärtigen Strahlenreize reagiert. Ein wenig schmunzel müssen wir als Autoren, wenn wir aktuelle Meldungen aus anderen Ländern lesen: so wird Anfang 2011 in einer amerikanischen Studie behauptet, die Benutzung von Mobiltelefonen würde die Hirntätigkeit durch die Strahlung anregen....

Fangen wir mal frequenztechnisch ganz unten an: Niederfrequente Magnetfelder können sowohl die elektrische Eigenschaften des Zentralnervensystems und das Lernverhalten von Versuchstieren beeinflussen als auch die normale Reifung von Nervenzellen behindern.
Aus Hühnerembryos, die der Dauerberieselung durch einen Fernseher ausgesetzt waren, schlüpften missgebildete Küken, die nach kürzester Zeit starben und bei Ratten mit Tumoren beschleunigte sich das Krebswachstum. Bei Ratten, die bereits Tumore hatten, wuchsen die Geschwulste schneller. Obendrein mutierten gutartige Tumore häufiger zu bösartigen, wobei aber besonders krebsanfällige Tiere verwendet wurden und somit die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar sind. (Da die Frage schon einmal kam: es handeltete sich bei dem Fernsehprogramm nach unseren Auswertungen um ein Testbild - es lag also nicht am Fernsehprogramm!)

Einflüsse von digitalen Funktelefonen auf das Wach-EEG (Gehirnströme) von Versuchspersonen konnten nicht nachgewiesen werden. Im Schlaflabor wurde während der Nachtruhe zusätzlich die Augenbewegungen (EOG) und der Muskeltonus (EMG) gemessen. Dabei zeigte sich, daß das hochfrequente Feld in signifikanter Weise ein schnelleres Einschlafen der Versuchspersonen sowie eine Abnahme der REM-Schlaf-Phasen (Rapid-Eye-Movement = schnelle Augenbewegungen während der Phase des Traumschlafes) bewirkte. Die Versuchspersonen hatten allerdings nicht das Gefühl, daß ihr Schlaf beeinträchtigt worden sei. Falls weitere Versuche bestätigen sollten, daß Funktelefone das Träumen stören, könnte damit auch die Gedächtnisfunktion beeinträchtigt sein, denn während der Traumphase verarbeitet der Mensch die Eindrücke des Tages und speichert Wichtiges im Langzeitgedächtnis.

Bösartige Geschwulste entstehen in vielen Einzelschritten. Elektromagnetische Felder können diese Abfolge zwar nicht auslösen, im Laborversuch reagieren Nagetiere unter Elektrostreß jedoch empfindlicher auf Substanzen, die das Krebswachstum fördern.

Im Mittelpunkt der Hormonbetrachtung steht das Melatonin. Dieses Hormon entsteht in der Zirbeldrüse (Pinealorgan)des Gehirns. Es stärkt das Immunsystem, reguliert im Tagesrhythmus die Freisetzung anderer Botenstoffe, steuert die biologische Uhr, synchronisiert die Vermehrung von Zellen und kann das Wachstum von Tumoren bremsen. Niederfrequente Magnetfelder hemmen die Freisetzung dieses Hormons ins Blut. (1) Fehlt das Melatonin, reißt eine Kette biochemischer Signale ab. Die Folge: Die Anordnung von Östrogen-Rezeptoren in der weiblichen Brust wird gestört, was zur Entstehung von Brustkrebs führen kann. Überdies verhindert Melatonin molekulare Veränderungen in Zellen, die zu degenerativen Gehirnerkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer, aber auch zu koronaren Herzleiden führen können. Wird die Produktion des Hormons unterbunden, fehlt diese biochemische Bremse, was die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch einer dieser Leiden erhöht.
Der Transport von Calcium dient der Signalübertragung zwischen den Zellen. Elektrische und magn. Felder verändern den Calciumfluß durch die Membranen von Gehirn und Immunzellen. Im Brustdrüsengewebe können elektromagn. Felder Enzyme aktivieren, die u.a. die Zellteilung und das Krebswachstum steuern.

Heftig umstritten sind jene Untersuchungen, nach denen schwache Magnetfelder ein "Krebsgen" im Erbgut anschalten können. Studien haben ergeben, daß sich die Erbsubstanz in magnetischen Feldern schneller vermehrt und daß auch - je nach Frequenz, Intensität und Dauer der Bestrahlung - andere Erbinformationen abgelesen werden als im feldfreien Raum.

Fördern aber solche molekularen Veränderungen die Entstehung von Krebs? Oder vermag der Organismus, durch evolutionäre Anpassung gegen Schäden durch natürliche elektromagn. Felder gefeit, derartige Störungen zu kompensieren? Gibt es vielleicht gar eine Schwelle, unterhalb derer Elektrosmog die Abwehrsysteme des Körpers in Schwung bringt, statt zu schaden?

In einem Punkt sind sich die Forscher aber einig: Sollte sich der Krebsverdacht durch Elektrosmog bestätigen, so ist das Ausmaß der Gefahr aber recht gering. Auch lassen sich Einflüsse schwacher elektromagn. Felder auf biologische Systeme nur mühsam nachweisen. Direkte Schäden - etwa die Denaturierung (Zerstörung) von Proteinen - treten nur bei so hohen Feldstärken auf, wie sie im Haushalt und am Arbeitsplatz nicht zu erwarten sind.

Besondere Forschungsschwerpunkte waren zunächst Kurz- und Langzeitwirkungen auf den Gesamtorganismus; d.h.:

  • allgemeine Reizerscheinungen
  • Vorgänge im Nervensystem und inneren Organen
  • Auswirkungen auf Herzschrittmacher und andere Implantate.

Nachfolgend und bis heute befaßt man sich mit den Wirkungen auf einzelne Zellstrukturen, wie:

  • Zellwachstum und Zellveränderungen
  • Stoffwechselvorgänge in den Zellmembranen
  • Besondere Aktualität haben epidemiologische Studien, beispielsweise:
  • statistische Erfassung erkrankter Personen, deren Wohnbereich in der Nähe von Hochspannungsleitungen liegt, oder
  • Arbeitsmedizinische Untersuchungen im Zusammenhang mit elektrisches und magn. Feldern am Arbeitsplatz.

Der erste Untersuchungspunkt kann als abschließend geklärt und - von technischen Implantaten abgesehen - ohne Relevanz für Felder der hier betrachteten Größe und Frequenz angesehen werden.

Neuere Forschungen befassen sich mit einer möglichen Wirkung von Wechselfeldern auf die Melatoninproduktion der Zirbeldrüse und deren Folgen. Als erwiesen gilt, daß Lichteinwirkung die Melatoninausschüttung bremst. In Verbindung mit den beiden keineswegs bewiesenen Annahmen, daß die Melatoninausschüttung erstens unter Magnetfeldeinwirkung sinke und zweitens die Krebsentwicklung hemme, könnte dieses Melatoninwirkungsmodell erstmals das aus den epidemiologischen Studien vermeintlich erkennbare höhere Krebsrisiko erklären, denn wenn Melatonin als Hemmfaktor für das Wachstum von Krebszellen gilt, könnte ein Einfluß auf dessen Produktion fatale Folgen haben. Auch dies ist bisher nur eine weitere Hypothese.

Schwache Umwelteinflüsse werden vom menschlichen Organismus meist in großer Zahl und folgenlos kompensiert, d.h. aber auch durch seine Autokorrekturmöglichkeiten verdeckt. Derartigen Feldeffekten und ihren Wirkungsmechanismen versucht man seit Jahren dennoch mit Hilfe von In-vitro-Untersuchungen an Zellkulturen auf die Spur zu kommen. Mutagene, d.h. Mißbildung erzeugende Feldwirkungen auf Zelle, Zellkern oder Zellmembran, müßten als Veränderungen im Zellstoffwechsel und -wachstum auch im Kurzzeitexperiment sichtbar werden. trotz umfangreicher Untersuchungen ließen sich bisher keine Änderung des Erbverhaltens, auch nicht bei vorgeschädigten Zellen und Tumorzellen, feststellen.

Neben Tierversuchen mit schneller Generationenfolge, die ebenfalls keine Negativwirkungen zeigten, kann allein die Epidemiologie als retroperspektiv beobachtende Wissenschaft, eventuelle Langzeiteffekte durch Kumulation aufdecken.

Schon Hinweise auf kritische Feldwirkungen setzen eine hohe statistische Signifikanz voraus, Beweise zusätzlich noch bisher völlig unbekannte Wirkungsmodelle. Alle vorliegenden Studien scheitern an ihrer unzureichenden Datenbasis, sowohl hinsichtlich der Fallzahlen als auch vor allem der Expositionsbestimmung über lange zurückliegende Lebensspannen. Beides sind grundsätzliche Probleme, möglicherweise Auschlusskriterien für diesen Lösungsweg mit dem Ziel, allenfalls sehr schwache Feldwirkungen herauszufiltern.

Übereinstimmung besteht bisher in folgendem:

  • E bestehen keine Erkenntnisse über eine akute Gefahr durch elektrisches od. magn. 50-Hz-Felder üblicher Stärke.
  • Es gibt keinerlei Hinweise, erst recht keinen Beweis für eine krebsinitiierende Wirkung dieser Felder.
  • Es wurden schwache Hinweise auf eine mögliche schwache krebspromotivierende Wirkung derartiger Felder verzeichnet, die allerdings sehr widersprüchlich und allenfalls als Aufforderung an die Wissenschaft zu verstehen sind, diesen mit Sachkunde akribisch nachzugehen.

Wegen klarer Worte MailOb elektromagn. Felder Einflüsse ausüben auf Zellpotentiale, auf das vegetative Nervensystem oder auf die Bluthirnschranke, die einen Stoffaustausch zwischen Blut und Nervengewebe verhindert? Vermutungen verlaufen im Vagen, und entsprechend unterschiedlich klingen die Bewertungen: So steht auf der einen Seite die Überzeugung, daß nicht sein kann, was noch nicht bewiesen ist. Auf der anderen Seite mahnen Skeptiker zu mehr Vorsicht.

Renommierte Wissenschaftler gelangen so mehr und mehr zu der Einsicht, daß von den Feldern unterhalb bestimmter und zwischenzeitlich festgelegter Grenzwerte nach menschlichem Ermessen keine Gefährdung ausgehen kann.

Einfluss auf die Zelltätigkeit

Elektrische und magnetische. Felder erzeugen einen Strom, der im Körper durch das Gewebe fließ. Der relativ hohe Widerstand der Zellhüllen (Zellmembrane), führt bei Körperzellen zu Membranspannungen. Betrachtet man den mikroskopischen Ausschnitt einer Zellmembran, so besteht diese aus einer hochisolierenden fettartigen Substanz. Zusätzlich sind Eiweißmoleküle in der Membran eingelagert, die unter bestimmten Bedingungen Ionen durch die Membran wandern lassen sollen. Dies geschieht durch gezielte Diffusion, bei der Natriumionen durch sog. Natriumkanälchen durchgelassen werden. Unter der Einwirkung eines elektrisches Felds von 30mV/m bis 60mV/m, d.h. wenn die Außenseite stärker negativ als die Innenseite geladen ist, öffnen sich die Natriumkanälchen, so daß es zu einer starken Negativierung an der Außenseite und einer Positivierung an der Innenseite kommt. Diese elektrisches Spannung bildet das sog. Aktionspotential der Membran. Es ist davon auszugehen, daß Membranen mit solchen Natriumkanälchen in der Lage sind, ein Aktionspotential zu erzeugen, das durch Körperströme beeinflußt wird. Blutkörperchen, Knochen- und Fettzellen haben beispielsweise keine solchen Natriumkanälchen und lassen sich deshalb von den normalen Stromstärken im Körper nicht beeinflussen. Ist ein Potential an der Membran entstanden, so wirkt es auf Nachbarproteine, die unter der verstärkenden Wirkung des elektrisches Feldes die Kanälchen öffnen und so die Erregung fortleiten. Das sind Membranen, die unter Wirkung elektrisches od. magn. Felder ab einer bestimmten Feldstärke beeinflußt, also erregt werden können.
Welche Bedeutung das Phänomen haben könnte, daß amplitudenmodulierte Hochfrequenzstrahlung auf die Permeabilität, also die Durchlässigkeit von Zellmembranen wirkt, ist noch unbekannt.