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5G Mobilfunk

Aufgrund ein einiger Fragen auch von meiner Seite Informationen zum aktuellen 5G-Mobilfunkausbau.

5G basiert eigentlich auf dem bereits vorhandenem LTE Vorgaben, hat als wesentliche technische Änderung die höhere Datenleistung sowie eine sehr geringe Latenzzeit, also Wartezeit bis zur Antwort von der Funkstation. Nebenbei: ich benutze 4G und LTE als inhaltsgleich, auch wenn mir jemand erfolglos versucht hat zu erklären, wo da die Unterschiede im Protokoll sind – für die Fragestellungen hier dürfte das unwesentlich sein!

Die zunächst geplanten Frequenzbereiche sind fast identisch (im EMF-Sinne) mit den bereits bekannten Mobilfunkbereichen. Konkret handelt es sich um die Bereiche 1920-1980 MHz gepaart mit 2110-2170 MHz, d.h. die Sende- und Empfangsfrequenz sind, da fast gleichzeitig genutzt, wie bereits jetzt bei 3G (UMTS) und 4G bzw. LTE. Gute Erklärungen zu den Begriffen finden Sie leicht im Internet z.B. Wikipedia. Was diese Quellen selten sagen, ist die Verwendung von 3,6 GHz ebenfalls für diese Nutzung.

Der Bereich 3,7-3,8 GHz soll für lokale Anwendungen wie im Inneren von Firmenzentralen genutzt werden, d.h. ggf. ohne einen der klassischen Telefonanbieter – was eben völlig neue Fragen aufwirft! Wenn innerhalb der Fabriken auf eigene Datenübertragungssysteme, die zuverlässig und frei von fehlerhaften Updates oder Störungen (Angriffe von außen) funktionieren, zurück gegriffen werden kann, kann dies wesentliche Umstellungen in Produktion und Effizienz bewirken, die man bislang kaum angedacht hat. Insbesondere Losgröße 1 und damit auch Produktneuheiten wären machbar, da keine Unterbrechung der klassischen Produktion wie jetzt noch üblich vorzusehen wäre. Eine andere Nutzung dieser Option wären Campusnetze, d.h. z.B. die Uni Karlsruhe könnte ein eigenes mobiles Datennetz aufbauen.

Es scheint auch so zu sein, dass alte 3G-Netze in wenigen Jahren auf 5G umgerüstet werden. Alte Mobiltelefone gehören dann in den Elektroschrott, weil diese sich nicht mehr nutzen lassen. Ob man einen „Uralt-Geräte-kompatibel-Modus“ rein zum Telefonieren aufrecht erhält, wage ich zu bezweifeln.

Aktuell sollen 5G-Netze bis zum Jahr 2024 alle wichtigen Straßen und Schienenwege abdecken (100 Mbit/s, ein Wert, den man in vielen Städten am DSL-Anschluß nicht erreicht), es geistert in der Tagespresse die Angabe „Ende 2025 werden 99% der Bevölkerung und 90% der Fläche in Deutschland versorgt“. Damit verbunden sind z.B. auch die ehemals durch Fernsehen genutzten Bereiche um 700 MHz, die wahrscheinlich ab 2020 versteigert und genutzt werden, ab 2030 sollen die dann ehemaligen GSM und UMTS-Netzfrequenzen und weitere Bereiche von 700 bis 900 MHz sowie 1,5 GHz neu verteilt werden. Es sind auch Frequenzen über 6GHz in Planung, hier wird aber selbst im technologisch führenden China noch etwas entwickelt. Achtung: 6GHz ist so in Europa nicht frei nutzbar, im amerikanischen Raum sieht es anders aus. Dafür sind in den USA z.B. einige Frequenzabschnitte durch Militärradar belegt, was Telefonnetze wie unser 5G ausschließt.

In der EU werden vermutlich die Bereiche 24,5, bis 27,5, GHz sowie 31,8 bis 33,5 GHz und 40,5 bis 43,5 GHz genutzt werden. Solche Frequenzen waren bislang nur von Radarsystemen bekannt, entsprechend sind Messgeräte nicht mal eben so zu bekommen. Die Sendeleistungen sollen sich ebenfalls im von LTE bekannten Grenzen bewegen, allerdings werden in der Presse wie NZZ aus der Schweiz gerne Werte von 6 V/m genannt (in vielen Diskussionen auch bis zu 14,5 V/m, teilweise Grenzwerte von 39 bis 61 V/m, bitte Vorsicht mit solchen Angaben!), was die Feldstärke direkt an der Antenne betrifft, nicht den Bereich, in dem sich Menschen normalerweise bewegen. Wenn Sie jetzt sagen „ich telefoniere doch am Ohr damit“ ist davon auszugehen, dass etwa 90% der Strahlenbelastung lokal am Endgerät vorliegt, nur 10% an der großen Sendestation – Pi mal Daumenwerte vom Prof. Röözli aus der Schweiz, der in dieser 2019er Diskussion öfter anzutreffen ist. Nochmals der Hinweis: ein Mobiltelefon („Handy“) hat viel geringere Sendeleistungen (typisch kleiner 0,5 W) als eine Sende- und Verteilstation, die oft mit 5bis 20 Watt senden kann.

Vorsicht: oft werden die Sendewerte mit dem Verstärkungsfaktor der Antenne der gerechnet. In Deutschland gelten ganz klar die bekannten üblichen Bundesimmissionsschutzgesetz (kurz BimschG) Werte für Sendeleistungen! Meine Meinung: wer bislang keine Probleme durch Mobilfunk hatte, wird auch 5G überstehen.

In der Eso-Szene gibt es die Aussage „lass diese Schwingungen einfach durch dich hindurch fließen“.

Dennoch zur immer wieder auftretenden Frage, ob man sich gegen Mobilfunkmasten (in Deutschland) wehren kann? Es gilt, abgesehen von den Frequenzen und Strahlungseigenschaften, die im Rahmen der Funkanlagenrichtlinie europaweit einheitlich sind, das lokale Baurecht, was zumeist Masten von bis zu 10m Höhe zulässt. Das Bundesimmissionsschutzgesetz, zuständig für die Überwachung ist die Bundesnetzagentur, prüft eigentlich alle Standorte auf ausreichende Sicherheitsabstände z.B. zum nächsten Haus.

Schon immer gut waren die Geschichten, die sich mit jeder neuen Mobilfunktechnik (GSM, UMTS, LTE, jetzt 5G) ergeben. Wie sagte ein Monteur mal so schön: „wir haben in der Zentrale schon drei dutzend Beschwerden in Form von Kopfschmerzen und Beeinträchtigungen durch diesen Mast hier vorliegen. Wie wird das erst, wenn wir den in zwei Wochen einschalten?“

Damit zu 5G: es gibt interessant gemachte Videos auf den gängigen Plattformen, die über die Gefahren von 5 G aufklären wollen. Leider trift vorgenannter Spott da gut zu, also z.B. Freuenzen, die es in Deutschland oder der EU noch nicht in Benutzung gibt. Vergleichen Sie meine Inhalte und Angaben mit den Videoaussagen!

Für Mitwirkende:

Auch wenn es sich um eine neue Funktechnik handelt, dürften alte Auslegungen zu Grenzwerten herangezogen werden. Falls Sie in der Kommune etwas steuern möchten, versuchen Sie doch mal, die Standortwahl über sogenannte Vorranggebiete zu steuern – so lässt sich ggf. das alte Sankt Florian-Prinzip „verschone meine Haus, zünds andere an“ erreichen. Auch die Funkdiensteanbieter haben Interesse an wenig „Gegenwind“ und möchten die nachgefragten Bereiche erreichen, nicht die Löcher, die nur wenige Minuten am Tag genutzt werden würden!